Cheatday auf Japanisch

Also wirklich. Da rede ich noch davon, dass ich ab jetzt wieder mehr auf meine Disziplin achten möchte und dann entdecke ich mein neues Lieblingsrestaurant. Zusammen mit einer neuen Bekanntschaft musste das heute auch spontan ausprobiert werden – was zu einem schönen Abend geführt hat.

Der Tag hat eigentlich brav und nach Plan begonnen: Nach dem Aufwachen habe ich noch etwas gefaulenzt, bevor ich mir schließlich mein Frühstück vorbereitet habe. Dafür habe ich die Haferflockenreste der Milchexperimente zu einem leckeren Brei verarbeitet, den ich zusammen mit Erdbeeren, Trauben und einer gelben Kiwi gegessen habe – die Kiwi habe ich übrigens von der Gemüsehändlerin geschenkt bekommen. Vermutlich wird es Haferschleim nun regelmäßig geben, er ist einfach die perfekte Resteverwertung, insbesondere da man die matschigen Haferflocken nach der Milchherstellung wunderbar einfrieren kann. Ziemlich praktisch.

Die Farben sehen wirklich schön aus. © Christina Deinhardt

Kalorien: 544 kcal
Eiweiß: 17 g
Fette: 9 g
Kohlenhydrate: 84 g

Volles Programm

Nach dem Frühstück habe ich mich auf meinen Termin vorbereitet: körperlich und seelisch. Es ging heute zum erste-Hilfe-Kurs. Ich muss zugeben, dass es mir schon ziemlich vor den erste-Hilfe-Kurs-üblichen Übungen gegraust hat, schließlich sind mir Dinge wie Hinknien, auf dem Boden rumrutschen und Aufstehen früher sehr schwergefallen und das hängt mir natürlich immer noch nach. Aber was soll man machen? Da hilft nur „Augen zu und durch“. Um die vielen Stunden zu überleben, habe ich mir einen Protein-Riegel und Wasser eingepackt, eine wirklich gute Entscheidung. Der Kurs war gut besucht und bunt gemischt, teilgenommen haben Leute jeden Alters, wobei die jüngere Generation selbstverständlich in der Überzahl war. Ein paar nervige, pubertierende Jungs waren auch mit von der Partie und ich bewundere die Kursleiterin, dass sie so lange ruhig geblieben ist – erst gegen Nachmittag hat sie die zwei zusammengeschissen. Ich wäre vermutlich schon nach zehn Minuten explodiert und hätte sie hinausgeworfen. Überhaupt habe ich im Laufe des Tages mehrfach an der Menschheit gezweifelt, Lehrer tun mir wirklich leid. Unfassbar, was für ein mieses Auffassungsvermögen viele Leute habe. Wie kann man die Übungen nach der 20. Demonstration immer noch bei jedem Schritt falsch machen? Ich wusste am Ende gar nicht mehr, warum ich so extrem verunsichert war und an mir gezweifelt hatte. Hach, das hört sich jetzt bestimmt wieder furchtbar arrogant an, aber ich will hier ja ehrlich sein!

Meine Übungen haben übrigens alle überraschend gut geklappt, was auch daran lag, dass ich mir eine super liebe Partnerin ausgesucht hatte. Gleich bei der ersten Partner-Übung, bin ich auf eine junge Frau um die 20 zugegangen, sie wirkte sehr verunsichert und schüchtern. Dazu muss ich auch sagen, dass sie starkes Übergewicht hat und ja, in dem Moment habe ich mich selbst gesehen. Ich musste dran denken, wie viel Schiss ich vor solchen Veranstaltungen noch vor einem Jahr gehabt hätte und wie sehr ich mich mit meinem alten Körper für sämtliche Unannehmlichkeiten geschämt hätte. Ging mir ja jetzt auch nicht anders, obwohl ich 66 Kilo weniger auf den Rippen habe. Ich konnte also nicht anders und musste auf sie zugehen. Und was soll ich sagen? Beste Entscheidung! Bei unserer ersten Übung waren wir zwar noch schüchtern und unsicher, aber mit jedem Mal wurden wir selbstbewusster und mutiger. Am Ende haben wir uns sogar freiwillig gleich am Anfang gemeldet, anstatt bis zum Schluss zu warten. Die Kursleiterin musste bei uns auch kaum etwas kritisieren. Mein persönlicher Erfolg war übrigens die Herzmassage, eine Einzelübung. Hier habe ich mich gleich als Erste gemeldet und alles fehlerfrei gemeistert. Ich bin wirklich stolz auf mich – damit meine ich die Tatsache, dass ich mich sofort getraut habe. Am Ende habe ich mich noch kurz mit der Kursleiterin unterhalten und sie hat mir noch eine nagelneue Sicherheitsweste fürs Auto in die Hand gedrückt – und zwar nur mir, höhöhö.

Kalorien: 220 kcal
Eiweiß: 20 g
Fette: 9 g
Kohlenhydrate: 10 g

Tschüss, Disziplin!

Aber damit war mein Tag noch lange nicht vorbei, denn mit meiner Übungs-Partnerin habe ich mich wirklich gut verstanden; die Pausen haben wir genutzt, um zu ratschen, außerdem haben wir noch eine kleine Erkundungstour gestartet. Auf dem Weg zum Kurs hatte ich beim Blick auf die Landkarte festgestellt, dass direkt hinter dem Kurs-Gebäude ein neues japanisches Restaurant aufgemacht hatte, ein Izakaya. Ich kann Euch gar nicht sagen, wie sehr ich mich darüber freue, denn ich liebe Izakayas. Dabei handelt es sich um eine japanische Kneipe – in Japan ein sehr populärer Gastronomiebetrieb. In München gibt es diese Art von Restaurant an jeder Ecke, aber in Nürnberg habe ich sie bisher noch nicht gesehen – bis jetzt! Wir haben das Izakaya also während einer Pause gesucht und beschlossen, nach dem Kurs zusammen dort Essen zu gehen.

Genau das haben wir auch getan und ich bin wirklich begeistert. Das Restaurant sah richtig edel aus und hatte einen wunderschönen Außenbereich. Auch das Essen war fantastisch, und das bei wirklich guten Preisen. Als Vorspeise habe ich mir meinen Favoriten bestellt, nämlich eine Portion Karaage, also Hühnchen, dass in Sake, Knoblauch, Ingwer und Sojasoße mariniert und in Kartoffelstärke, Mehl oder Panko frittiert wird. Klingt vermutlich ziemlich langweilig, aber ich liebe Karaage einfach und muss es beim Izakaya-Besuch immer bestellen. Als Hauptgericht habe ich mir Yaki Udon bestellt – also gebratene Udon-Nudeln mit Hühnerfleisch und Gemüse. Vor einer Ewigkeit hatte ich schon einmal erklärt, dass Yaki einfach „gegrillt“ bedeuten kann, dementsprechend heißen alle gebratenen oder gegrillten Speisen irgendwas mit Yaki: Yakitori – gegrilltes Huhn, Tamagoyaki – gebratenes Ei, Okonomiyaki – was Du willst gebraten, also kunterbunte Pfannkuchen. Mit dem Gericht habe ich versucht mich halbwegs an meinen Speiseplan zu halten, denn ich hatte ursprünglich eine Mahlzeit mit Udon geplant. Neben den beiden leckeren Gerichten gab es außerdem noch ein japanisches Bier und einen warmen Sake, den ich wirklich sehr genossen habe. Es war übrigens auch wirklich toll, einfach so Essen zu gehen. Wir hatten zwar kleine Startprobleme, weil wir beide zu doof waren, um uns per QR-Code zu registrieren, doch dank des netten Kellners, haben wir es am Ende doch hinbekommen und durften den Außenbereich des Izakayas betreten.

Ich bin zwar nicht im Bilde darüber wie viele Kalorien ich heute Abend in mich hineingestopft habe, aber ehrlich gesagt will ich das auch gar nicht wissen. Ich hatte einen schönen Tag und noch dazu konnte ich einen neuen Kontakt knüpfen. Wir haben im Laufe des Abends auch festgestellt, dass wir ähnliche Interessen haben und wir wollen uns auf jeden Fall wieder treffen, um zu kochen, zu zocken, oder ins Izakaya zu gehen. Ab morgen muss es nun aber wirklich wieder disziplinierter zugehen! Keine spontanen Fressveranstaltungen mehr!

Gesamt:
Kalorien: Reden wir lieber nicht darüber
Eiweiß: Düdüdü
Fette: zu viele
Kohlenhydrate: die volle Dröhnung

7 Kommentare zu „Cheatday auf Japanisch

  1. Kalorien egal….. klingt wie ein richtig guter Tag. Und im Grunde wird es solche Tage in der Zukunft immer mal wieder geben, das nennt sich Leben.😂
    PS: Streber 😜 und Spaß beiseite, ich beneide Lehrer auch nicht.

    Gefällt 2 Personen

    1. Das war es wirklich. 😁 War auch interessant zu beobachten, dass es mir nun einfacher fällt, auf andere zuzugehen. Ich fühle mich nicht mehr so blockiert. Und ja. Das hoffe ich! Darum ist es umso wichtiger, dass das Sportprogramm strenger wird. 😱 Ich will mein Leben genießen!
      PS. Oh ja, ich weiß. 😂 Aber was erwartest du? Ich bin Pressekonferenzen und Kongresse gewohnt, bei denen ich die Infos aufsaugen musste, weil ich darüber schreiben musste. Aus lauter Verzweiflung habe ich es mir also antrainiert, zuzuhören. Und erste Hilfe ist ein einfaches Thema, anders als verwirrte Vorträge über Bauteile. Ich bin zum Streber mutiert. 😭😭😭

      Gefällt 1 Person

      1. Das Gute ist, alle 24 Stunden ist ein neuer Tag.😁 Und vielleicht hat Deine neue Bekanntschaft auch mal Lust, spazieren zu gehen. Da kann sich Deine andere erholen.😂und es gibt andere Gesprächsthemen.😜

        Gefällt 1 Person

    1. Es war auch wirklich schön. 🙂 Du hast natürlich recht, sowas muss man einfach mal machen. Wäre ja schlimm, wenn man immer auf alles verzichtet und am Ende frustriert das Handtuch wirft. Dir auch einen tollen Start in die Woche. Viele Grüße Tina

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