Sie lebt!

Die letzten Monate waren ziemlich turbulent – und das meine ich nicht im negativen Sinne. So einige Kämpfe gegen meine Ängste wurden bestritten, es gab Erfolge sowie kleine Abenteuer mit neuen und alten Freunden. Nur der menschliche Zeitfresser hätte nicht unbedingt sein müssen, doch so leicht lässt sich das Helfersyndrom dann doch nicht abschalten.

Der letzte Blog-Beitrag ist schon ziemlich lange her und eigentlich war der Ausfall überhaupt nicht geplant. Keine Sorge, es ist nichts Dramatisches passiert. Stattdessen habe ich mir beim Kampf gegen meine Ängste zusätzlich noch den Ballast einer anderen Person aufgebürdet – so ist das halt als People Pleaser mit Imposter- und Helfersyndrom. Ebendarum ist mir die Zeit, Energie und Lust für meinen Blog und viele andere Dinge ausgegangen – wobei es noch ein paar andere Gründe gab, warum ich von heute auf morgen verschwunden bin. Der Diät ging es dabei auch nicht sonderlich gut und ich im Moment fällt es mir schwer, wieder zu meiner Disziplin zurückzufinden. Ganz erfolglos war die lange Zeit der Blog-Abstinenz nicht, stattdessen hat sich nur der Fokus meiner Selbstoptimierung auf andere Bereiche verlagert. Aber nun ist die Zeit gekommen, sich wieder den Hauptzielen zu widmen: Ernährung unter Kontrolle bringen und weiter abnehmen.

Was bisher geschah

Die größte Last war für mich die Führerscheinprüfung. In den Monaten vor dem Termin ging es mir, ehrlich gesagt, miserable; die Angst ging am Ende in Panik über und selbst mein Fahrlehrer hat gesehen, wie ich zu einem zitternden Häufchen Elend mutiert bin. Nichtsdestotrotz habe ich diese verdammte Prüfung gleich beim ersten Mal bestanden, wenn auch knapp. Die Erleichterung im Anschluss war wie eine Befreiung und ich kann es auch noch gar nicht richtig glauben, dass ich diesen Kampf gegen mich selbst tatsächlich überwunden mir habe.

So ganz über den Berg bin ich im Bereich Straßenverkehr nun aber nicht: Ich wohne im schrecklichsten Viertel Nürnbergs und traue mich gar nicht mehr aus meiner Parklücke, aus Angst, dass ich das Anfahren mit dem Benziner nicht hinbekomme, drei Millionen hupende Autos hinter mir habe und am Ende keine für mich mögliche Parklücke mehr finde. Doch diese Angst wird nun auch angepackt, denn ich werde mich demnächst für einige Zeit zu meinen Eltern aufs Land verkriechen, wo ich in Ruhe fahren üben kann – Homeoffice und ein fantastischer Chef machen es möglich. Zusätzlich habe ich gestern die Zusage für einen Tiefgaragenstellplatz bekommen; der ist zwar in einem anderen Block und rund zehn Minuten von mir entfernt, aber das ist es mir absolut wert. Schließlich brauche ich mein Auto nicht jeden Tag und die Angst vor den Parklücken und der Parkplatzsuche macht mich wirklich fertig.

Apropos Auto

Nicht nur aufgrund der weltpolitische Lage und den zahlreichen Rohstoffengpässen ist mir die Suche nach meinem ersten Auto unglaublich schwergefallen. Das Hauptproblem war eigentlich, dass ich keine Ahnung hatte, wo ich anfangen soll. Zudem kenne ich mich mit Autos an sich überhaupt nicht aus – obwohl ich regelmäßig Pressemeldungen und Fachartikel über die Leistungselektronik für Automotive-Anwendungen schreibe. Trotz meiner Planlosigkeit habe ich regelmäßig diverse Autohändler besucht, mich von Freunden und Bekannten beraten lassen und im Internet gestöbert – erfolglos.

Die Rettung kam letztendlich in Form meiner Mutter und meines Stiefvaters: Die beiden haben fleißig in der Heimat nach einem passenden Fahrzeug für mich gesucht und sind auch tatsächlich fündig geworden. Seit einer Woche bin ich nun stolze Eigentümerin eines kleinen, gebrauchten Skoda Citigos – ein gigantischer Schlag für mein Sparkonto, dafür ein wichtiger Schritt in mein neues Leben. Am Freitag konnte ich meinen kleinen Puddle Jumper nun auch endlich vom Händler abholen und die erste Fahrt wagen. Es gibt noch so einige Probleme: Das Schalten ist ein Alptraum und der Verkehr in Nürnberg löst Panikmomente in mir aus. Doch immerhin bin ich überall heil angekommen, obwohl es besonders beim Berg anfahren zahlreiche Momente der Verzweiflung gab. Die Übungszeit auf dem Land ist darum dringend notwendig.

Darf ich vorstellen? Mein kleiner Puddle Jumper. © Christina Deinhardt

Ab ins Mittelalter

Weiterer Zeitdiebe waren die Larp-Gruppe und der Mittelalter-Verein: Es ging zum einen Anfang Juni zu einem Rollenspiel-Wochenende, zum anderen durfte ich Ende Juni zum ersten Mal mit zum Mittelaltermarkt. Auf beide Veranstaltungen hatte ich mich extrem gefreut, allerdings gab es im Vorfeld viel zu tun: Insgesamt wollten drei Kleider fertig genäht werden – den größten Teil musste ich dabei von Hand nähen. Seit Wochen sitze ich nun also schon in jeder freien Minute an den Nähprojekten, doch die Arbeit hat sich wirklich gelohnt – mittlerweile bin ich auch bereits mit den nächsten Kleidungsstücken beschäftigt. Das Rollenspiel-Event hat nicht nur viel Spaß gemacht hat, sondern auch für einige Erfolgserlebnisse gesorgt. Bei der Fahrt zum Mittelaltermarkt konnte ich direkt mein kleines Auto einweihen. Auch dort ging es mir blendend; ich hatte bei der Ankunft am Lager des Vereins das Gefühl, „daheim“ angekommen zu sein – vermutlich weil Lagerleben und Co schon seit meiner Kindheit ein Wunschtraum von mir war. Aber gut, von meinen Unternehmungen – auch den Ausflug ins Disneyland – möchte ich gerne in anderen Beiträgen berichten.

Menschen sind anstrengend

Der wohl größte Zeitfresser, war eine Freundschaft, auf die ich mich eingelassen hatte – entgegen den Warnungen meiner Mutter und so mancher Freunde. Für die Person bin ich seit vielen Monaten über meine Grenzen gegangen, insbesondere was meine Energiekapazitäten betrifft. Schuld daran ist mein wohl Helfersyndrom; ich hatte versucht von meinen Erfahrungen und meinem Kampf ins neue, glücklichere Leben zu profitieren und einer Person mit Depressionen und Selbstmordgedanken zu helfen. Doch mittlerweile habe ich erkannt, dass man niemandem helfen kann, der nichts ändern will, Fehler nur bei anderen sieht und nicht am eigenen verzerrten Weltbild und den übertriebenen Erwartungen arbeiten möchte. Ich bin nicht direkt auf die Schnauze gefallen. Vielmehr sehe ich, dass mir der Kontakt geholfen hat, aktiver zu werden und Lehren aus dem kürzlichen Konflikt zu ziehen, um das Imposter-Syndrom weiter zu bekämpfen. Dazu gehört, dass ich endlich erkannt, dass ich nicht für die Entscheidungen und schon gar nicht für das Leben anderer Leute verantwortlich bin.

Wer sich im Selbstmitleid suhlen will, soll das gerne tun. Wenn jemand sein Leben wirklich beenden möchte, hat das nichts mit mir zu tun und retten kann ich auch niemanden. Dennoch brauche ich jetzt eine Pause, mit Wochenenden und Arbeitstagen, an denen ich mich nur mit mir oder positiven Menschen beschäftige – vornehmlich ohne People Pleasing. Diese Erkenntnis habe ich nicht nur durch eine stundenlange, mehr als sinnlose Streit-Diskussion gewonnen, die ich mehrfach mit Kompromissen beenden wollte und bei der auf meine Bedürfnisse einfach niedergewalzt wurden, sondern auch durch einen enttäuschenden Geburtstag, der nicht wirklich so verlaufen ist, wie ich es mir vorgestellt hatte. Nächstes Jahr schnappe ich mir meinen kleinen Puddle Jumper und verbringe den Tag allein.

4 Kommentare zu „Sie lebt!

  1. Liebe Tina,
    Was freue ich mich, endlich wieder von Dir zu lesen. Ich habe viel an Dich gedacht, auf Deinem Blog nachgeschaut und mein YouTube Kanal hat immer mal wieder ein altes Video von Dir angezeigt. Ganz zu schweigen vom Brotbacken.
    Ich weiß nur von mir selbst, dass man ab und zu Pausen braucht, deshalb hatte ich die Hoffnung, von Dir hier wieder zu lesen.
    Herzlichen Glückwunsch zum Führerschein und schnuckeligen Auto. Die Idee mit Deinen Eltern klingt genial.
    Toxische Menschen können meinen ungemein herunterziehen. Das kenne ich auch. Sie haben häufig Antennen, dass sie sich die richtigen aussuchen. Gut, dass Du es da raus geschafft hast.
    Und die Gewichtssache schaffst Du sowieso, hast es ja bereits bewiesen.
    Liebe Grüße an Dich, Barbara

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    1. Liebe Barbara,
      vielen Dank für Deine lieben Worte und insbesondere für Deine Treue. Hab auch viel an Dich gedacht und hatte auch schon ein schlechtes Gewissen, weil ich so einfach untergetaucht bin. 😉
      Vermutlich werde ich mich jetzt erst mal auf meine Event-Berichte konzentrieren und guggen, wie ich das Ernährungs-Bloggen künftig schaffe. Täglich wird es vermutlich nicht mehr klappen. Hatte überlegt, in Zukunft vielleicht eher kleine Wochenrückblicke mit Futterhighlights zu machen oder so. Mal sehen, wo es mich da hintreibt. 🙂

      Die Person hat mich, ehrlich gesagt, nicht heruntergezogen. Ich habe halt viel Zeit mit ihr verbracht und versucht mich ihr anzupassen und viel Rücksicht zu nehmen – im Irrglauben helfen zu können. Ich bin nicht niedergeschlagen mit der jetzigen Entwicklung, da es einfach ein weiterer Schritt der Selbsterkenntnis ist und ich bin auch ziemlich stolz, dass mich das Drama auf der Ebene eher kaltlässt. Menschen kommen und gehen. Ob sie von meinem Umfeld komplett verschwinden muss, weiß ich noch nicht, aber so wie bisher werde ich es nicht mehr mitmachen.

      Liebe Grüße
      Tina

      Gefällt 1 Person

      1. Nix zu danken.😉 Und erst einmal musst Du kein schlechtes Gewissen haben, wenn Du an Dich selbst denkst.
        Jeden Tag zu schreiben, ist eh zu stressig. Lass es langsam angehen, es soll ja auch Spaß machen.
        Und so gut, dass es Dich nicht heruntergezogen hat, ich habe das da wohl mehr auf mich selbst bezogen.😀
        Ich freue mich jetzt einfach nochmal eine Runde.😻
        Barbara

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